Fakten-Check zu den Mythen

Nord Stream 2 ist ein komplexes Projekt, in dessen Rahmen auch über Themen wie Energiesicherheit, Umweltschutz, globale Politik und Marktdynamik diskutiert wird. Wir stellen umfangreiche Informationen zum Projekt zur Verfügung und präsentieren diese in Hunderten von Veranstaltungen, Anhörungen und Konferenzen.

Trotzdem begegnen uns immer wieder Fehlinformationen, die bewusst von politischen Gegnern und Wettbewerbern wiederholt werden.

Im Folgenden setzen wir diesen Mythen Fakten entgegen.

„Nord Stream 2 erhöht die Abhängigkeit von Russland.“ – Das einzige Land, das vollkommen von russischem Gas abhängig ist, ist Russland.
„Nord Stream 2 erhöht die Abhängigkeit von Russland.“

Diese Art von Panikmache entspricht nicht der Realität. Das einzige Land, das völlig von russischem Gas abhängig ist, ist Russland. Der Anteil russischen Gases am Gasverbrauch der EU beträgt zurzeit rund 30 Prozent. Daran wird sich zukünftig nichts ändern, weil Nord Stream 2 nur einen Teil der in der EU zusätzlich benötigten Importe abdecken kann. Diversifizierung ist bereits Realität und eine echte Erfolgsgeschichte der EU. Es gibt 22 LNG-Terminals – mit einer Kapazität von 216 Milliarden Kubikmetern könnte über sie 50 Prozent des aktuellen Imports transportiert werden. Diese Terminals sind jedoch nur zu etwa 20 Prozent ausgelastet. Die Pipelines, die Zentral- und Osteuropa verbinden, können bereits 147 Milliarden Kubikmeter von West nach Ost transportieren. Selbst der Bedarf der Ukraine wird seit November 2015 vollständig aus dem Westen gedeckt. Belastbarkeit und nicht Abhängigkeit beschreibt die heutige Situation.

„Nord Stream 2 wird von Russland als politische Waffe benutzt.“ – Wer über eine politische Waffe spricht, sollte sich anschauen, auf wen der Lauf der Waffe gerichtet ist und wer den Finger am Abzug hat.
„Nord Stream 2 wird von Russland als politische Waffe benutzt.“

Wer immer über die „politische Waffe“ spricht, sollte sich anschauen, auf wen sie gerichtet ist und wer den Finger am Abzug hat. Die Diversifizierung des EU-Marktes schreitet zügig voran und hat sich in 22 der 28 Mitgliedsstaaten bereits deutlich verbessert. Das bestätigt auch der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Šefčovič. Polen kann bereits heute 90 Prozent seines Erdgasbedarfes aus nicht-russischen Quellen decken. Für Vorhaben von gemeinsamem Interesse (PCI) investiert die EU allein 2017 rund 800 Millionen Euro, die die Energieinfrastruktur weiter stärken. Der Bau einer neuen Pipeline zwischen Estland und Finnland, der in diesem Jahr beginnt, gehört ebenso dazu, wie die geplante Verbindung zwischen Bulgarien und Griechenland, oder die LNG-Tanker, die schon regelmäßig in Litauen und Polen anlanden. Russland will und muss zunehmend seinen Platz auf dem EU-Markt verteidigen. Mit Blick auf die politisierte Betrachtung von Nord Stream 2 ist es offensichtlich, dass ein Pipelineprojekt als „politische Waffe“ in westlichen Händen liegt.

„Die EU braucht keine weitere Pipeline wie Nord Stream 2.“ – Die Gasproduktion in der EU ist rückläufig, daher muss der Bedarf durch neue Importe kompensiert werden.
„Die EU braucht keine weitere Pipeline wie Nord Stream 2.“

Die europäische Industrie und Energiewirtschaft sehen das anders. Die heimische Produktion in der EU ist rückläufig, der Bedarf muss durch neue Importe kompensiert werden. Diese Importe müssen wettbewerbsfähig sein. Die Chemiebranche mit ihren über eine Million Angestellten zum Beispiel ist angewiesen auf eine verlässliche und wirtschaftliche Energieversorgung. Nord Stream 2 ist Teil der Lösung, genauso wie LNG-Lieferungen aus aller Welt. Die durchschnittliche Auslastung der etwa 22 LNG-Terminals in der EU liegt bei nur 20 Prozent. Trotzdem bezweifelt niemand ihre Existenz oder stellt die fortgesetzten Zahlungen aus EU-Steuergeldern für weitere LNG-Terminals in Frage.

„Nord Stream 2 widerspricht den Diversifizierungszielen der EU.“ – Die Fokussierung auf Diversifizierung allein um der Diversifizierung willen ist keine Lösung, sondern schafft nur teure Ergebnisse.
„Nord Stream 2 widerspricht den Diversifizierungszielen der EU.“

Es wird Zeit, dass die Rhetorik wieder mit der Realität in Einklang gebracht wird: Die Diversifizierung des europäischen Gasmarkts ist bereits eine Erfolgsgeschichte. Die Schaffung eines wettbewerbsorientierten Energiebinnenmarktes war das Ziel der EU – und es wurde durch umfassende Investitionen in die Infrastruktur und neue LNG-Terminals erfolgreich umgesetzt und wird weiter komplettiert. Fünf große europäische Energieunternehmen haben sich entschlossen, ihren Teil zu leisten und in Nord Stream 2 zu investieren. Damit haben sie sich für ein neues, modernes Pipeline-System entschieden, das die kostengünstigste Verbindung zu den weltweit größten Gasreserven in Russland bietet. Die Fokussierung auf Diversifizierung allein um der Diversifizierung willen ist keine Lösung, sondern schafft nur teure Ergebnisse.

„Nord Stream 2 ist nicht mit den Klimazielen der EU vereinbar.“ – Die Gegner von Nord Stream 2 sollten sich fragen, ob ihre Unterstützung für Kohle und Fracking-LNG der EU tatsächlich hilft, die Klimaziele zu erfüllen.
„Nord Stream 2 ist gegen die Klimaziele der EU.“

Wenn die EU es mit den Klimazielen ernst meint, muss der Anteil von Erdgas im Energiemix erhöht werden, um die Kohleverstromung zu reduzieren. Nord Stream 2 allein würde die Emissionen in der Stromerzeugung um 15 Prozent oder 160 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr senken, wenn das transportierte Gas komplett Kohle ersetzen würde. Wenn Erdgas diese Rolle einnehmen soll, dann muss es auf die umweltfreundlichste Art und Weise nach Europa kommen. Nord Stream 2 ist der direkteste Weg zu den weltweit größten Gasreserven – und verursacht im Vergleich zu alternativer Gasinfrastruktur die geringsten Treibhausgasemissionen. Die Gegner von Nord Stream 2 sollten sich fragen, ob ihre Unterstützung für Kohle und Fracking-LNG der EU hilft, ihre Klimaziele zu erfüllen.

„Nord Stream 2 wird einen Verlust von zwei Milliarden Dollar für die Ukraine verursachen.“ – Der ökonomische Nutzen jedes Transportweges für Gas hängt für jeden Betreiber von der Wettbewerbsfähigkeit sowie vom Vertrauen der Kunden an beiden Enden der Pipeline ab.
„Nord Stream 2 wird einen Verlust von zwei Milliarden Dollar für die Ukraine verursachen.“

Der ökonomische Nutzen jeder Gasverkehrsinfrastruktur hängt für jeden Betreiber von ihrer Wettbewerbsfähigkeit wie auch vom Vertrauen der Kunden an beiden Enden der Pipeline ab. Einen Lieferanten zu zwingen, einen bestimmten Lieferweg zu nutzen, ist nicht mit der Marktwirtschaft vereinbar. Voraussetzung ist die langfristige technische Zuverlässigkeit, die Investitionen in Instandhaltung erfordert. Notfall(!)-Reparaturfonds von der EBWE und der EIB sorgen gerade dafür, eine Pipeline des ukrainischen Systems mit einer Kapazität von 30 Milliarden Kubikmetern bis 2020 zu ertüchtigen.

Ebenso hilfreich ist folgender Blick: die zwei Milliarden US-Dollar beziehen sich auf den Gesamtwert des Liefervertrags, sind also nicht die Einnahmen aus dem Gastransport. Nach Abzug der Betriebskosten und Kosten für das Treibgas für die Kompressoren bleiben mehrere hundert Millionen Dollar als Gewinn. Ein wesentlicher Teil dieser Summe hätte in die Modernisierung und Instandhaltung des Systems investiert werden sollen. Der europäische Verbraucher hat dieses System über Jahrzehnte abbezahlt – aber die erforderliche Wartung ist nicht erfolgt.

Fakten und Zahlen

3km pro Tag

Bis zu 3 Kilometer der Pipeline können pro Tag in der Ostsee verlegt werden

Jedes Verlegeschiff gleicht einer schwimmenden Fabrik, auf der Rohrsegmente verschweißt und getestet werden, bevor sie mit dem Hauptstrang verbunden werden. Rohre werden laufend zu den Verlegeschiffen geliefert, damit die Montage rund um die Uhr aufrechterhalten werden kann.

80% utilisation

Die Lieferkapazität von Nord Stream lag 2016 bei 80 Prozent

Die Auslastung der Nord Stream-Pipeline ist seit der Eröffnung im Jahr 2011 kontinuierlich gestiegen, und lag 2016 bei 80 Prozent. Im letzten Jahr haben so etwa 43,8 Milliarden Kubikmeter (bcm) Erdgas die europäischen Konsumenten erreicht – genug um 20 Millionen Haushalte zu versorgen.

Bei der Stromerzeugung mit Erdgas statt Kohle entsteht bis zu 50 Prozent weniger CO₂

Der Wechsel von Kohle zu Gas kann der EU helfen, ihr Ziel zu erreichen, die CO₂-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Tatsächlich könnten mit von Nord Stream 2 geliefertem Erdgas rund 14 Prozent der gesamten CO₂-Emissionen in der EU aus Stromerzeugung eingespart werden, sofern der Strom aus Gas statt aus Kohle produziert wird.

Die Pipeline transportiert genug Gas um 26 Millionen Haushalte zu versorgen

Nord Stream 2 kann einen wichtigen Beitrag zur Energiesicherheit der EU leisten. Um deren Importlücke zu schließen, werden allerdings noch weitere Energiequellen benötigt. Die neue Pipeline wird vorhandene Versorgungswege ergänzen, und die Gasversorgung zusammen mit neuen Anbietern und Transportwegen — wie Flüssigerdgas (LNG) oder dem Südlichen Korridor — komplettieren.

Neun Staaten werden in die Konsultationen einbezogen

Nord Stream 2 verläuft durch die Hoheitsgewässer und/oder Exklusiven Wirtschaftszonen (EWZ) von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark, und Deutschland. Von jedem dieser Länder holt die Nord Stream 2 AG in einem internationalen Verfahren Genehmigungen zum Bau und Betrieb der Pipeline ein. Auch die anderen Nachbarstaaten – Polen, Litauen, Lettland und Estland – werden in die Konsultationen einbezogen.

Die Pipeline besteht aus rund 200.000 Stahlrohren

Die beiden parallelen Stränge der Pipeline verlaufen über 1.200 Kilometer in der Ostsee. Jeder Strang besteht aus 100.000 einzelnen Rohren, mit einer Länge von jeweils zwölf Metern. Sobald die Rohrverlegung beginnt, können pro Tag bis zu drei Kilometer Rohre verlegt werden.

Eine der längsten Offshore-Pipelines der Welt

Die Nord Stream 2 Route durch die Ostsee beginnt an der russischen Küste und landet in der Nähe von Greifswald, Deutschland, an. Sie wird weitgehend parallel zur Route der bereits bestehenden Nord Stream-Pipeline verlaufen.

Jedes Pipeline-Element ist zwölf Meter lang und wiegt 24 Tonnen

Die zwölf Meter langen Rohrabschnitten werden auf See verschweißt und von speziellen Verlegeschiffen auf dem Meeresboden abgelegt. Jede Schweißnaht wird gründlich getestet, um zu gewährleisten, dass sie den hohen Qualitätsansprüchen von Nord Stream 2 entspricht. Bevor die fertige Pipeline in Betrieb genommen wird, folgen zudem weitere Qualitätskontrollen einer unabhängigen Zertifizierungsstelle.

Die Nord Stream 2-Rohre werden einen konstanten Innendurchmesser von 1.153 Millimetern und eine Wandstärke von bis zu 41 Millimeter haben

Die Rohre erhalten eine Antifriktionslackierung der Innenseiten sowie eine Außenbeschichtung zum Schutz vor Korrosion, sowie zur Beschwerung der Pipeline, damit sie stabil auf dem Meeresboden liegt.

Der EU droht bis 2035 eine Importlücke von etwa 120 Milliarden Kubikmetern Erdgas

Die einheimische Förderung der großen Gasproduzenten – wie den Niederlanden, Großbritannien oder Norwegen – ist rückläufig. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Erdgas weiter stabil, auch aufgrund der geringen CO₂-Emissionen. Die EU muss Gas importieren. Die Kapazität von Nord Stream 2 kann etwa ein Drittel des zusätzlichen Bedarfs decken.

55.000 Kilometer wurden zurückgelegt, um das Ökosystem der Ostsee zu erforschen

Nord Stream 2 hat sich den höchsten Standards für Umweltschutz und sozialer Verantwortung verschrieben. Das Unternehmen wird dem Beispiel der Nord Stream AG folgen, um eine Pipeline zu bauen, die sich bestens in das sensible Ökosystem der Ostsee integriert. Die Umweltanalysen, die von der Nord Stream AG durchgeführt wurden, gehören zu den umfassendsten und bedeutendsten für dieses Ökosystem.

47.800 Milliarden Kubikmeter: Russland hat die größten natürlichen Erdgasvorkommen der Welt

Nord Stream 2 wird Gas von den großen Bovanenkovo-Erdgasfeldern mit einem Vorkommen von über 4.9 Billionen Kubikmetern auf der Yamal-Halbinsel im nördlichen Russland nach Europa bringen. Dieses Vorkommen ist mehr als doppelt so groß wie die gesamten Erdgasreserven der EU (1.9 Billionen).

Anteil von russischem Erdgas am Gesamt-Energiemix der EU

Nord Stream 2 führt die seit über 40 Jahren bestehende Energiekooperation zwischen der EU und Russland fort. Russland ist der weltweit größte Gasexporteur. Große langfristige Investitionen gewährleisten, dass russische Erdgasreserven zu den kosteneffizientesten Energiequellen für die europäische Energieversorgung zählen. Die EU hat einen vielseitigen Energiemix, russisches Erdgas macht einen geringen Anteil der gesamten europäischen Energieversorgung aus.