Wichtigste Fakten zur Route durch die Narwa-Bucht in Russland

Der Schutz des empfindlichen Ökosystems der Ostsee ist für Nord Stream 2 in jeder Projektphase von höchster Priorität. Die Auswahl der optimalen Route für die neue Erdgas-Pipeline erfolgte auf der Grundlage umfassender Umweltuntersuchungen sowie detaillierter Auswirkungsanalysen, im Einklang mit nationalem Recht und internationalen Standards. Dieses Dokument fasst die Antworten auf einige der wichtigsten Fragen bezüglich des geplanten Trassenverlaufs in der russischen Narwa-Bucht zusammen.

1. Warum folgt Nord Stream 2 hier nicht der Route der bestehenden Nord Stream-Pipeline?

Aus technischer Sicht ist es nicht möglich, bei Einhaltung des Mindestsicherheitsabstands zwischen Hochdruck-Pipelines und Siedlungen weitere Infrastruktur im Bereich des Onshore-Korridors von Gazprom in der Bucht von Portowaja zu bauen. Diese Vorgaben können an insgesamt sieben Stellen entlang der Route nicht eingehalten werden.

Ein weiterer, wichtiger Grund ist der Bedarf für zusätzliche Gaslieferungen (etwa 30 Mrd. m3/Jahr) in die südliche Region Leningrad zur Versorgung des sich entwickelnden Industriegebietes Kingisepp. Dazu gehören neben dem Hafen Ust-Luga auch wichtige Großabnehmer wie FosAgro, Eurochem, Phosphorit und IST. Diese zusätzliche Versorgung ist von essentieller Bedeutung, um die Arbeitsplätze und die nachhaltige Entwicklung des Gebiets Kingisepp sicherzustellen. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, die Pipelines miteinander zu kombinieren, die sowohl die Region als auch Nord Stream 2 beliefern werden.

2. Warum hat sich Nord Stream 2 für eine Route durch die Narwa-Bucht entschieden, welche das Naturschutzgebiet Kurgalski durchquert?

Die Route ist das Ergebnis einer umfassenden Studie des gesamten russischen Küstenbereichs des Finnischen Meerbusens. In Rahmen dieser Studie sind zahlreiche technische, umweltbezogene und gesellschaftliche Rahmenbedingungen sowie Sicherheitsvorgaben berücksichtigt worden. Die Route durch die Narwa-Bucht ist die bevorzugte Variante mit den geringsten Umwelt- und sozialen Auswirkungen für den Anlandebereich in Russland.

Die umfassenden vergleichenden Umweltuntersuchungen über die Trassenalternativen für die Nord Stream 2-Pipeline in Russland wurden vom Geographie-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften und der Staatlichen Polytechnischen Universität Sankt Petersburg positiv bewertet. Die Experten stimmen zu, dass die Route durch die Narwa-Bucht die bevorzugte Alternative ist.

Die vorgeschlagene Route verläuft weit entfernt von Schifffahrtswegen und vermeidet Häfen, Industriegelände und Sperrgebiet. Damit wird künftig der sichere Betrieb der
Nord Stream 2-Pipeline gewährleistet. Die Route ist zudem 39 Kilometer kürzer als die mögliche Alternative und erfordert weniger Vorbereitungsarbeiten aufgrund der tieferen Gewässer sowie des glatteren Meeresbodens.

Insgesamt führt dies zu kürzeren Bauzeiten und baubedingten Beeinträchtigungen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die größere Entfernung von zentralen Lebensräumen von Kegel- und Ringelrobben.

3. Wurde die Route durch die Narwa-Bucht aus finanziellen Gründen ausgewählt?

Die Route durch die Narwa-Bucht wurde ausgewählt, weil sie insgesamt die geringsten Umwelt- und sozialen Auswirkungen haben wird. Der Kostenfaktor hat bei der der Entscheidung zugrundeliegenden Analyse keine Rolle gespielt. Nord Stream 2 plant, etwa 70 Prozent der geschätzten Projektkosten in Höhe von etwa 9,5 Milliarden Euro über den internationalen Finanzmarkt abzudecken. Vor diesem Hintergrund kann Nord Stream 2 keine Variante auswählen, die nicht umweltverträglich ist. Darüber hinaus entwickelt Nord Stream 2 derzeit ein Paket an Umwelt- und Gemeinschaftsinitiativen, um nachhaltige Erhaltungs- und Kompensationsmaßnahmen in der Region Kurgalski zu unterstützen. In das Paket werden zweistellige Millionenbeträge investiert.

4. Wird Nord Stream 2 das Naturschutzgebiet Kurgalski zerstören?

Die vorgeschlagene Route berührt den schmalsten, südlichsten Teil des Naturschutzgebiets Kurgalski. Der Bau der Pipeline würde höchstens 0,14 Prozent des Naturschutzgebietes betreffen. Der Großteil der vorgeschlagenen Route (etwa 2 der 3,7 Kilometer) verläuft durch nicht naturbelassene Gebiete, etwa durch junge Bepflanzungen auf abgebrannten Waldflächen und andere zerstörte Habitate. Bei der Auswahl der Route wurde sorgfältig darauf geachtet, dass die empfindlichsten Bereiche des Naturschutzgebietes, wie zum Beispiel das Riff Kurgalski und das mittlere Kader-Sumpfgebiet, umgangen werden.

5. Verstößt Nord Stream 2 gegen russisches Recht?

Nord Stream 2 wird in vollem Einklang mit russischem Recht umgesetzt. Die finale Entscheidung obliegt den russischen Behörden. Darüber hinaus verpflichten wir uns den strengen Umwelt- und Sozialmanagementstandards der internationalen Kreditgeber. Als Projektentwickler hat Nord Stream 2 die nachhaltigste Route vorgeschlagen.

6. Verstößt Nord Stream 2 gegen internationale Naturschutz­übereinkommen?

Nord Stream 2 wird alle relevanten gesetzlichen Normen einhalten, darunter auch die Ramsar- und Helcom-Übereinkommen. Letztere ermöglichen Wirtschaftsaktivitäten, sofern diese keine signifikante Umweltauswirkungen haben. Darüber hinaus werden darin die Kriterien empfohlen, die eingehalten werden müssen, um Arbeiten in diesen international geschützten Gebieten durchzuführen. Nord Stream 2 wird diese Kriterien einhalten.

Laut der vorläufigen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wird der Bau der Pipeline den ökologischen Charakter des Naturschutzgebietes Kurgalski nicht grundlegend ändern. Es wird keine nennenswerte Verschmutzung oder Auswirkung auf Habitat und Biodiversität im Ostseeraum erwartet. Als verantwortungsbewusster Projektentwickler arbeitet Nord Stream 2 an verschiedenen Umwelt- und Gemeinschaftsinitiativen zum Schutz des Erhaltungswertes des Naturschutzgebiets Kurgalski.

7. Wird Nord Stream 2 den Kegel- und Ringelrobbenbestand auf der Kurgalski-Halbinsel beeinträchtigen?

Die Route durch die Narwa-Bucht umgeht die wichtigsten Lebensräume dieser bedrohten Meeressäuger. Nord Stream 2 führt weiterhin umfangreiche Untersuchungen durch, um dies sicherzustellen. Die wichtigsten Lebensräume dieser Tiere befinden sich auf den Inseln der Riffe Tiskolski und Kurgalski, an der nördlichen Spitze der Kurgalski-Halbinsel. Die Pipeline-Route hingegen verläuft durch den südlichsten Bereich der Narwa-Bucht. Alle Bauarbeiten erfolgen außerhalb der Brutzeit. Darüber hinaus wird Nord Stream 2 umfangreiche Risikominderungsmaßnahmen einsetzen, wie zum Beispiel akustische Vergrämungssysteme und Meeressäuger-Beobachter.

8. Wird durch den Bau der Pipeline das dort befindliche Seeadler-Nest zerstört?

Nein, der Bau der Pipeline wird das Seeadler-Nest nicht beschädigen, da sich dieses weit entfernt vom Baukorridor befindet. Die Ingenieure der Nord Stream 2 AG arbeiten zurzeit an einer optimierten technischen Lösung für den russischen Anlandebereich sowie an umfangreichen Umweltschutzmaßnahmen, die die Umweltauswirkungen so weit wie möglich minimieren werden.

Das Seeadler-Nest wurde durch die eigens von Nord Stream 2 beauftragten Studien entdeckt. Unsere Umweltuntersuchungen werden umfangreiche Informationen zur Flora und Fauna entlang des vorgeschlagenen Routenkorridors liefern und somit den Wissensbestand über das wertwolle Gebiet der Kurgalski-Halbinsel sowie des östlichen Finnischen Meerbusen erweitern.

9. Warum kann im russischen Anlandebereich kein Mikrotunnel gebaut werden?

Ziel von Nord Stream 2 ist es, stets die optimale technische Lösung zu finden. Aufgrund umfangreicher Bewertungen der verschiedenen Alternativen glauben wir, dass eine optimierte offene Bauweise die sicherste und zuverlässigste Option ist.

Die Machbarkeit einer grabenlosen Verlegung im russischen Anlandebereich ist fraglich, weil durch die Länge des Tunnels das Störfallrisiko steigen würde. In diesem Fall würden zusätzliche Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltrisiken entstehen. Nord Stream 2 kann sich nicht zu einer möglicherweise nicht realisierbaren Lösung verpflichten.

Bei der offenen Bauweise hingegen können die Umweltauswirkungen genau vorhergesehen werden. Diese Auswirkungen werden nicht nur so gering wie möglich gehalten, sondern auch kompensiert und letztendlich ausgeglichen. Damit wird sichergestellt, dass das Projekt keine grundlegenden negativen Auswirkungen auf den Erhaltungswert des Gebiets mit sich bringen wird.

10. Werden die Bedenken lokaler Interessengruppen durch Nord Stream 2 berücksichtigt?

Ja. Nord Stream 2 verpflichtet sich zu Transparenz und offenem Dialog. Die Interessengruppen wurden von Anfang an am Projekt beteiligt, um sicherzustellen, dass die öffentliche Meinung berücksichtigt wird. Wir veröffentlichen Informationen online und organisieren regelmäßige Treffen mit NGOs, Medienvertretern und örtlichen Gemeinschaften. Nord Stream 2 ist davon überzeugt, dass ein vertrauensvolles Verhältnis zu Interessengruppen und örtlichen Gemeinschaften die Voraussetzung für die langfristige Nachhaltigkeit des Projekts bildet.