Disziplin und Konzentration an Bord der Go Electra

Wie ist wohl das Leben auf einem Nord Stream 2-Vermessungsschiff? Fotograf Axel Schmidt hat zwei Wochen mit der Besatzung der Go Electra in der Ostsee verbracht, um es herauszufinden. Hier beschreibt er seine Eindrücke von der hochspezialisierten Aufgabe der Meeresbodenvermessung, die die Grundlage für den Bau der Pipeline bildet.

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Ein Offizier überprüfte die Route der Go Electra im Vorfeld der nächsten Etappe der Nord Stream 2-Vermessungsarbeiten. Aufgrund der dunklen Wintermonate und vieler kleiner Inseln auf dem Weg gestaltet sich diese als sehr schwierig. „Die Atmosphäre ist sehr konzentriert und die Besatzung nimmt sich kaum Freizeit“, sagt Fotograf Axel Schmidt über die internationale Crew, die in rotierenden 12-Stunden-Schichten arbeitet.

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Ein wichtiges Instrument bei der Untersuchung des Meeresbodens entlang der Nord Stream 2-Route sind ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (Remotely Operated Vehicle, ROV), wie dieses. „Es ist faszinierend, den ROV beim Sammeln von Informationen zu beobachten. Das erinnert sehr stark an den Mars Rover“, sagt Schmidt.

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„Einer der schönsten Aspekte des Aufenthalts an Bord ist die einzigartige Möglichkeit, jeden Tag dieses stimmige Licht miterleben zu können“, sagt Schmidt. „Jeden Morgen bin ich auf die Brücke gegangen, um den Sonnenaufgang zu sehen und mit den Offizieren über die vergangene Nacht und den kommenden Tag zu sprechen.“

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Für diese Etappe der Vermessungsarbeiten wurde die Go Electra von dem niederländischen Dienstleister N-Sea gechartert. Das nahezu 80 Meter lange Schiff wurde nach einer modernen elektrischen Technologie benannt, die es Schiffen ermöglicht sich nicht zu bewegen, ohne einen Anker werfen zu müssen. So kann schrittweise das Schiff bewegt werden und die Besatzung den Meeresboden gründlich untersuchen. „Es ist ein bisschen wie ein Raumschiff“, sagt Schmidt. „Es bewegt sich für ein Vermessungsschiff schnell, ist sehr modern und hat sogar eine Sauna an Bord.“

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Diese ferngesteuerte Technologie ermöglicht es, Dinge in ganz anderen Dimensionen zu entdecken, beispielsweise Orte tausende Meter unter der Wasseroberfläche, die Menschen nicht erreichen können“, sagt Schmidt. Der Fotograf hat unzählbar viele Stunden mit dem Beobachten der ROVs verbracht und hatte sogar einen Bildschirm mit Live-Übertragungen der Bilder in seiner Kabine hatte.

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Hier wird der ROV hochgeholt, damit sein Kalibriergerät angepasst werden kann. Dieses ermöglicht es, den ROV auf wenige Dezimeter genau zu orten, selbst 200 Meter unter der Meeresoberfläche.

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Jeden Moment, den der ROV außerhalb des Wassers verbringt, kostet Geld. Deshalb hat Nord Stream 2 die besten Ingenieure, Techniker und Wissenschaftler in dieser wichtigen Phase für den Pipelinebau engagiert.

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Hier sieht man wie ein Arbeiter einen Rohrreiniger benutzt, um die Ausrüstung nach dem Wechsel einer Glühbirne zu reinigen. Die Besatzung ist sehr diszipliniert, aber die Atmosphäre dennoch kollegial. „Jeder ist sehr glücklich über seinen Job und von der Arbeit fasziniert“, sagt Schmidt. „Fallende Ölpreise haben die Offshore-Industrie gefordert und Jobs wurden knapp, weshalb die Arbeit noch viel bedeutsamer wurde.“

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Jedes Mal, wenn der ROV sich außerhalb des Wassers befindet, nutzen Techniker die Gelegenheit um das Fahrzeug zu warten. „Das Team hat eine Kunst daraus gemacht, die Ausfallzeit so kurz wie möglich zu halten“, sagt Schmidt.

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Der ROV verfügt über einen Roboterarm aus Titan, der Steine und andere Objekte zur Seite legen kann, um auf dem Meeresboden Platz für die Pipeline zu schaffen.

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Ein elektrisches und ein Glasfaserkabel verbinden den ROV und das Schiff, sodass der ROV auch auf dem Meeresgrund gesteuert werden kann.

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Die Kabel transportieren die vom ROV gesammelten Daten und Bilder vom Meeresboden zum Schiff, sodass Techniker in Echtzeit mit den Informationen arbeiten können. Während dieser Phase der Nord Stream 2-Vermessungsarbeiten hat die Besatzung Objekte entlang der geplanten Route identifiziert, die möglicherweise später versetzt werden müssen.

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Immer wieder entdeckt der ROV auch Ungewöhnliches, wie beispielsweise nicht detonierte Munitionsaltlasten aus vergangenen militärischen Konflikten. Hier diskutieren ein ROV-Pilot, ein UXO-Techniker und der Nord Stream 2-Offshore-Vertreter Bob Pirie den Fund einer Mine. „Das kann ein sehr heikler Prozess sein“, sagt Schmidt. „Der ROV analysiert das Objekt von allen Winkeln, um herauszufinden, um welche Mine es sich genau handelt.“

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ROV-Piloten nutzen Steuerknüppel, wie in Helikoptern, um die ROVs navigieren zu können. Sie nennen ihre Arbeit sogar „fliegen“.

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Große Areale der Ostsee sind mit Minen aus den Weltkriegen übersäht, die bei der Planung der Pipeline-Route sorgfältig umgangen werden. „Dies bedeutet, dass Tage vergehen, ohne eine einzige Mine zu entdecken. Das macht jeden sehr glücklich“, sagt Schmidt. Hier sieht man wie ein Untersuchungsleiter arbeitet und im Hintergrund ein UXO-Techniker die Bildschirme hinter ihm analysiert.

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„Dieses Bild zeigt wie eng die Verbindung zwischen dem Team und ihren Maschinen ist”, sagt Schmidt. „Sie geben ihnen immer liebevolle Spitznamen.“

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„Wenn du jeden Tag 12 Stunden mit jemanden in einem dunklen Raum sitzt, da lernt man sich ziemlich gut kennen”, lacht Schmidt. Gerade untersuchen die Techniker den Meeresboden in einem ruhigen Moment.

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Wenn Munitionsaltlasten wie diese Mine aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden, zeichnen die Techniker alle Details auf, damit später Spezialisten fundiert entscheiden können, wie damit umgegangen werden soll. Der Bildschirm unten links zeigt die beiden Pipelinerouten auf einer zuvor mit einem Sonar erstellten Unterwasserkarte. Die markierten Punkte zeigen auf, wo der ROV noch genauere Untersuchungen vornehmen muss. Dieser Teil der Untersuchung veranschaulicht beispielsweise, ob noch Steine oder Minen auf diesem Routenabschnitt sind.

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In diesem Offline-Raum werden die Daten verarbeitet und an die Nord Stream 2-Zentrale zur weiteren Analyse und Planung geschickt.

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Nach Abschluss der zweiwöchigen Etappe der Untersuchung gab es einen Besatzungs- und Schiffswechsel in finnischen Helsinki. Die Logistikexperten von Nord Stream 2 halten einen straffen Zeitplan ein, sodass die neue Besatzung bereits am gleichen Tag an Bord ging und das Schiff nach der Verladung aller Vorräte wieder auf Kurs ging.

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Die Barracuda, ein anderes hochmodernes Vermessungsschiff, das ebenfalls von N-Sea für Nord Stream 2 gechartert wird, macht sich für weitere Arbeiten mit einer neuen Besatzung bereit. „Wir müssen noch so viel über den Ozean lernen“, sagt Fotograf Schmidt. „Die Menschen auf dem Schiff stehen zwar nicht im Vordergrund oder im Licht der Öffentlichkeit, aber sie gehören zu den besten Experten in ihrem Feld.“