Die Herstellung der Rohre: Strikte Standards von Anfang bis Ende

Für den Bau der Nord Stream 2-Pipeline durch die Ostsee werden mehr als 200.000 Rohrstücke benötigt. Die Qualität der Rohre ist daher von höchster Bedeutung. Von dem sorgfältig getesteten Blech, aus dem die Rohre geformt werden, bis hin zu deren präziser Rundung sind qualitativ hochwertige Rohrstücke unerlässlich für den sicheren sowie effizienten Bau und Betrieb der Pipeline.

Nach einem gründlichen internationalen Ausschreibungsverfahren, welches mehrere Probeproduktionen und Vor-Ort-Tests umfasste, hat sich Nord Stream 2 für weltweit führende Zulieferer entschieden. Diese produzieren die beeindruckende Menge an zwölf Meter langen Rohren für die beiden über 1.200 Kilometer langen Nord Stream 2-Leitungen.

Die russischen Firmen OMK und Chelpipe sowie das deutsche Unternehmen Europipe wurden beauftragt, die benötigten mehr als zwei Millionen Tonnen schweren Stahlrohre herzustellen. Dank ihrer Hochleistungsanlagen, langjährigen Erfahrung und Leistungsfähigkeit erfüllen sie die hohen Qualitätsanforderungen von Nord Stream.

Selbstverständlich endet die Qualitätssicherung nicht mit der Auswahl leistungsstarker Zulieferer. An jeder Produktionsanlage überprüft Nord Stream 2 fortlaufend jeden kritischen Schritt im Fertigungsprozess.

Qualitätssicherung

Chelpipe ist einer der drei Rohrzulieferer, die im Zuge einer internationalen Ausschreibung und nach strengen Qualitätstests von Nord Stream 2 ausgewählt wurden. In seinem neuen Rohrwerk „Vysota 239“ in der russischen Stadt Tscheljabinsk nutzt Chelpipe die neuesten Technologien und Qualitätskontrollen, um die perfekte Rundung der Rohre zu gewährleisten.

Materialien und Beschichtung

Bereits vor Projektbeginn haben die Nord Stream 2-Ingenieure die benötigten Eigenschaften und Parameter des Blechs, der Rohre und der Beschichtung im Detail festgelegt. Ein hoch spannfähiger und niedrig legierter Karbonstahl wird benötigt, damit das Blech beispielsweise dem Offshore-Schweißen Stand hält. Während der Produktion werden über 25.000 Tonnen dieses Stahls für Labortests genutzt, um dessen Stärke, Zähheit und Chemismus zu überprüfen.

Nachdem das Blech in Rohre geformt wurde, wird es der Länge nach geschweißt, gründlich getestet und in den Rohrwerken nachgemessen. Daraufhin werden die Rohre für eine effiziente Strömung mit einer Antifriktionsbeschichtung von innen, einer Korrosionsschicht von außen und zusätzlich mit einer Betonummantelung versehen, damit sie auf dem Meeresboden liegen bleiben.

Rohrrundung und Beständigkeit

Die perfekte und beständige Rundung der Rohre ist ein äußerst wichtiges Element im Fertigungsprozess. Die Rohre sind so konzipiert, dass sie einen konstanten Innendurchmesser von 1.153 Millimetern und eine Wandstärke von bis zu 41 Millimetern haben. Nord Stream 2 lässt bei den Rohren eine maximale Ovalität, auch Rundheitsabweichung genannt, von bis zu 5,0 Millimetern zu. Die Ovalität drückt die Abweichung von einer perfekten Rundung aus und definiert damit den kleinsten und größten Durchmesser des Rohrumfangs. Nord Stream 2 verlangt, dass mindestens 50 Prozent der Rohre eine Rundheitsabweichung von weniger als 3.0 Millimeter aufweisen.

Dieser Grad an Präzision stellt sicher, dass alle Rohre während des Offshore-Schweißens perfekt verbunden werden können und nahezu alle Schweißnähte die Inspektionen bestehen, ohne nachgebessert werden zu müssen. Somit wird die Qualität optimiert und zugleich die Bauzeit reduziert, sodass das Projekt im Zeitplan liegt.

Knickstopper

Ein anderes wichtiges Element im Offshore-Rohrverlegungsprozess sind Knickstopper, die jeden Kilometer in den Tiefseeabschnitten angebracht werden. Knickstopper sind Rohrsegmente mit besonders hoher Wandstärke, die eine mögliche Delle während der Rohrverlegung verhindern.

Auch wenn Dellen sehr selten sind, wären die Konsequenzen beträchtlich. Entsteht eine Delle, müsste der ganze Tiefseeabschnitt entfernt und neu verlegt werden – was ernsthafte Auswirkungen auf Kosten und Zeitplan hätte. Die in regelmäßigen Intervallen installierten Knickstopper reduzieren das Risiko deutlich: Im Fall einer Delle müsste lediglich der Abschnitt zwischen den Stoppern ersetzt werden.

Teamwork und Expertise

Um dieses Höchstmaß an Effizienz und Qualität zu gewährleisten, setzt Nord Stream 2 während des Rohrfertigungsprozesses auf ein erfahrenes Team an Ingenieuren und Technikern. Sie stellen sicher, dass alle Spezifikationen eingehalten werden. Zudem beschäftigt Nord Stream 2 zwischen 100 bis 150 Vollzeit-Prüfer, die jedes Rohrstück auf jedem Schritt kontrollieren und freigeben. Zusammen leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag, um die komplizierten logistischen und technischen Herausforderungen zu meistern, die ein Projekts dieser Größenordnung mit sich bringt.