Der Bau einer Unterwasser-Pipeline

Ein Projekt wie Nord Stream 2 ist eine logistische Herausforderung, die nur mit den besten Experten und Ingenieurskunst von höchster Präzision zu meistern ist.

Für jeden der zwei Pipelinestränge müssen rund 100.000 der etwa zwölf Meter langen Rohrsegmente zusammengeschweißt und anschließend über eine Strecke von 1.200 Kilometer unter der Ostsee verlegt werden.

Jede einzelne Rohrverbindung wird dabei sorgfältig geprüft. So wird die Betriebssicherheit der Pipeline gemäß internationaler Qualitätsstandards sichergestellt. Dabei wird jede Anstrengung unternommen, um Eingriffe in die Meeresumwelt so gering wie möglich zu halten. Alle Rohrlieferungen aus den Fertigungswerken müssen unbedingt pünktlich eintreffen, damit der Betrieb auf den Verlegeschiffen rund um die Uhr aufrechterhalten werden kann.

Das Nord Stream 2-Team wird zusammen mit seinen spezialisierten Auftragnehmern jeden einzelnen Schritt genauestens planen, um eine reibungslose Bauphase zu gewährleisten, sobald die Rohrverlegung 2018 beginnt.

Der Verlegeprozess beginnt bereits mit der Herstellung der einzelnen Rohre. Diese werden gemäß genauer Vorgaben mit einem Durchmesser von 1.153 Millimetern und einer Wanddicke von bis zu 41 Millimeter gefertigt. Von innen erhalten die Rohre eine Hochglanzlackierung, um die Reibung während des Gastransports zu reduzieren. Von außen werden die Rohre zum Schutz vor Korrosion beschichtet und mit Beton ummantelt. Diese Betonummantelung beschwert die Rohre zusätzlich, damit die Pipeline stabil auf dem Meeresboden liegen bleibt.

Bereits jetzt werden Rohre zu den Ummantelungswerken geliefert, damit es bei Baubeginn zu keinen Verzögerungen kommt.

Rohrfertigung

Die Europipe GmbH ist einer der drei von der Nord Stream 2 AG ausgewählten Produzenten. Die qualitativ hochwertigen Großrohre werden seit August 2016 und noch bis Mitte 2018 in verschiedenen Fertigungsabschnitten im Werk Mülheim an der Ruhr gefertigt. Europipe wird insgesamt 90.000 der 200.000 für die Pipeline benötigten Rohre produzieren und auf dem Schienenweg zum Logistikzentrum im Mukran Port transportieren.

Sobald die Verlegung der Rohre beginnt, werden die beschichteten Rohre laufend von ihren Lagerplätzen rund um die Ostsee zu den Verlegeschiffen transportiert.

Sowohl vor als auch während der Bauphase untersuchen Vermessungsschiffe den Meeresboden genauestens auf etwaige Hindernisse. Wenn nötig, wird grober Kies auf dem Meeresgrund aufgeschüttet, um einen stabilen Untergrund für die Pipeline zu schaffen.

Nord Stream 2 und seine Partner teilen alle Informationen über den Aufenthaltsort der Verlegeschiffe und ihrer Sperrzonen mit den zuständigen Behörden, um die Beeinträchtigungen des regulären Verkehrs auf See so gering wie möglich zu halten. 

Auf den Verlegeschiffen werden die einzelnen Rohrsegmente angeschrägt und anschließend miteinander verschweißt. So entsteht der Rohrstrang, der schließlich auf dem Meeresboden verlegt wird.

Alle Schweißnähte werden mit einem Ultraschallverfahren getestet. Dadurch können etwaige Schwachstellen sofort entdeckt und behoben werden. Wenn die Schweißnaht abgenommen wurde, wird die Verbindungsstelle mit einem Anti-Korrosionslack sowie einer Polyurethan-Schicht geschützt.

Dann wird die Pipeline als ein kontinuierlicher Rohrstrang schrittweise vom Schiff ins Meer gelassen. Während dieses umsichtig kontrollierten Schrittes stützen speziell angefertigte, sogenannte „Ausleger“ die Pipeline, wobei sich das Verlegeschiff entlang der Pipeline-Route vorwärts bewegt. 

Währenddessen beobachten Untersuchungsschiffe den Montageprozess mit Tauchrobotern (Remotely Operated Vehicles – ROV) und überprüfen so die korrekte Positionierung der Pipeline auf dem Meeresboden.

Durch diesen sorgfältig geplanten und streng kontrollierten Prozess können einzelne Verlegeschiffe bis zu drei Kilometer Rohre am Tag verlegen. Das Nord Stream 2-Projekt verläuft nach Plan, somit wird das erste Gas voraussichtlich Ende 2019 durch die Pipeline fließen.